Forschung & Entwicklung

Ökobilanzierung Passivhaus – Wohnanlage Lodenareal in Innsbruck

Das Lodenareal ist derzeit die größte im Passivhausstil errichtete Wohnanlage in ganz Europa. Des Weiteren weist Österreich die größte Passivhausdichte im europäischen Raum auf.

Projektdaten
ForschungspartnerNeue Heimat Tirol
ForschungszielUntersuchung Lebenszyklische Umweltauswirkungen eines Wohnareals im Passivhausstandard
Zeitraum2015-2016
ProjektteamJens Glöggler

Die vorliegende Studie basiert auf der Diplomarbeit „Ökobilanzierung Passivhaus-Wohnanlage Lodenareal“ von DI Julia Reisinger und beschäftigt sich mit der Frage, ob Passivhäuser durch den zusätzlich erforderlichen energetischen Aufwand bei der Herstellung, Instandsetzung und Erneuerung ihrer Konstruktion auch eine Umweltbelastung darstellen können. Stellt sich denn auch wirklich eine positive CO2-Bilanz beim Vergleich von roter (Betrieb) und grauer (Konstruktion) Energie ein, und wie verhält sich die Umweltbilanz eines Passivhauses zu der Umweltbilanz eines gleichartigen Gebäudes im Niedrigenergiehausstandard?

Die Ergebnisse meiner Diplomarbeit zeigen, dass der erhöhte Materialaufwand in der Passivhaus-Wohnanlage Lodenareal zu einer wesentlichen Energieeinsparung beiträgt und sich somit – ökologisch gesehen – rentiert:

Der Anteil der grauen Energie am Gesamtenergieaufwand beträgt in der Passivhaus- Wohnanlage Lodenareal für das Treibhauspotenzial ca. 50%–60% und für den Primärenergiebedarf knapp 50%. Dieser Mehraufwand an grauer Energie – bei einem konventionellen Gebäude sind dies immerhin nur 10–20% – erzielt jedoch eine erhebliche Reduktion des Heizenergieverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen während der Nutzung. Erst nach 54 Jahren wird die graue Energie der Herstellung des Gebäudes von der roten Energie durch die Nutzung überschritten.

Die materielle Zusammensetzung hat einen großen Einfluss auf die graue Energie eines Gebäudes. Die Ausführung eines Passivhauses in Holzbauweise mit einer Mineralwolle-Dämmung führt im Vergleich zu einer Massivbauweise zu besseren Ergebnissen in der Ökobilanz. Es zeigt sich, dass durch die Holzbauweise CO2-Einsparungen von bis zu 10% erreicht werden können. Aber auch beim Versauerungspotenzial und dem nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf performt ein Gebäude in Holzbauweise besser als ein Gebäude in Massivbauweise – und das in allen Phasen seines Lebenszyklus. Der gesamte Primärenergiebedarf ist jedoch bei der Holzbauweise aufgrund der künstlichen Trocknung und den weiteren Bearbeitungsschritten von Holz höher als bei der Betonbauweise. Die große Anzahl an Leitungen und Rohren in einem Passivhaus führen dazu, dass der Anteil der Haustechnik an den CO2-Emissionen bei ca. 10% liegt. Aufgrund der hohen Wartungsintensität dieser Einbauten sollte bereits in frühen Planungsphasen von Gebäuden auf eine genaue Dimensionierung der Leitungen und Rohre geachtet werden. Durch den Einbau von langlebigeren und weniger wartungsintensiven Materialien kann die graue Energie solcher Gebäudetypen effizient gesenkt werden. Der Vergleich Passivhaus versus Niedrigenergiehaus zeigt, dass das Gebäude im Passivhausstandard aus ökologischer Sichtweise dem Niedrigenergiehausstandard überlegen ist. Das Passivhaus erzielt eine Einsparung von ca. 5% der CO2-Emissionen gegenüber dem Niedrigenergiehaus. Nur beim Versauerungspotenzial erzielt das Passivhaus aufgrund der dickeren Dämmung und dem höheren Anteil an Leitungen um ca. 3% schlechtere Ergebnisse als das Niedrigenergiehaus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Passivhaus trotz des erhöhten Materialaufwandes ökologisch besser performt als das Niedrigenergiehaus. Im Vergleich zum errechneten Endenergiebedarf laut Energieausweis ist der Endenergieverbrauch in der Passivhaus-Wohnanlage Lodenareal mit 61,33 kWh/m2NGFa (49,8 kWh/m2BGFa) hoch. Der Endenergieverbrauch laut Energieausweis beträgt 35,25 kWh/m2BGF. Somit verbraucht die Wohnanlage 29% mehr Wärme als im Energieausweis festgelegt.